Aufruf zur Professionalisierung der Online-PR-Forschung als Fazit der DGPuK-Fachgruppentagung #onkomm13

Eigentlich ist die DGPuK-FachgrupLogo_ohne_Flame_xweix_Web.png_1318653072pentagung zum Thema Online-Kommunikation (31.10. bis 2.11. #onkomm13) mittlerweile so lange her, dass ich nicht mehr wirklich einen Rückblick schreiben bräuchte. Andererseits hat sie mich dermaßen zum Nachdenken angeregt, dass ich zumindest einige Gedanken gerne verschriftlichen wollte und vielleicht lassen sie sich ja in anderer Form weiterspinnen.

Der Titel der Konferenz lautete „Kritischere Öffentlichkeit? Neue Meinungsbildung? Mehr Beteiligung? Neue Rahmenbedingungen für die strategische Onlinekommunikation” und kritisch war die Fachöffentlichkeit auf jeden Fall. In den einleitenden Grußworten heißt es zwar „Online-Kommunikation und speziell Social Media sind als besonders wichtige Herausforderungen des Kommunikationsmanagements erkannt“ insgesamt wurde das Ganze aber ambivalent diskutiert. Bereits in den einführenden Vorträgen wurde der Anspruch der Wissenschaft deutlich, die Diskussionen über Schlagwörter zu versachlichen (T. Pleil) und Internet-Mythen auf deren Konstanz zu untersuchen (K. Imhof). An den letzten Vortrag schloss sich sogar eine Diskussion über Sinn und Unsinn von spezialisierten Online-Professuren und dementsprechender Forschung an. Diese wurden vom Vortragenden abgelehnt, mit dem Verweis, dass Online-Aspekte sich auch in allen anderen Gebieten finden. Richtig, aber da das mittlerweile so umfassend geworden ist, bedarf es meiner Meinung nach durchaus der Spezialisierung um Wissen zu strukturieren und Spezialkompetenzen aufzubauen. Dass sich den eigentlichen Fragestellungen dann kooperativ gewidmet werden sollte, schließt ersteres nicht aus.

Laut Programminfo sollten folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Wie entstehen in Facebook, Twitter & Co Öffentlichkeit und Meinungsbildung? Wie sind Unternehmen davon betroffen? Wie versuchen Organisationen selbst, Öffentlichkeit zu schaffen und Beteiligung zu gestalten? Und: Worin besteht das „Neue“ zu früheren Offline-Formen? Eigentlich ging es zumindest in den Diskussionen aber vielmehr darum, inwiefern sich Online-Forschung von dem bloßen Auszählen von Kommunikaten emanzipieren sollte und wie sie zu professionalisieren ist, um dem Vorwurf des schnelllebigen Hypes zu entkommen. Das ist natürlich ein Thema, mit dem ich mich vor dem Hintergrund meiner Doktorarbeit ausführlich beschäftige, und für das einige Vorträge in Wolfsburg gute Ansätze lieferten. Beispielsweise zeigten Rühl und Ingenhoff unter dem Titel „Public Relations im Social Web. Rezipientenerwartungen an das Kommunikationsmanagement auf Web 2.0 Anwendungen“, wie sich die Rezipientenperspektive mit Hilfe des Uses and Gratification Ansatzes und der sozial-kognitiven Theorie sozialwissenschaftlich fundiert abbilden lässt. Winkler legte unter dem Titel „Wider die reine Netzwerkrhetorikk“ ein beeindruckendes Plädoyer für die Berücksichtigung netzwerksoziologischer Konzepte und Theorien in der PR vor, das viele Ideen anriss und sich sicherlich noch weiterentwickeln ließe. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Vortrag von Sandhu „Dialog als Mythos. Normative Konzeptionen der Online-PR im Spannungsfeld zwischen Technikdeterminismus und strategischem Handlungsfeld“. Die Entmystifizierung des Dialogbegriffs ist meiner Meinung nach ein wichtiger Meilenstein für die Online-Forschung, ohne den sie zur Augenwischerei tendiert. Hier sehe ich viel Bedarf nach kritischer Reflektion und sozialwissenschaftlicher Fundierung, die wegführt von dem Auszählen von Facebook-Kommentaren als Indiz für Dialog. Ich bin gespannt, was die Zukunft diesbezüglich bringt.

Einen thematisch breiteren und allgemeinen Rückblick auf die Tagung gibt es übrigens vom Mitveranstalter Thomas Pleil, von Michael und zum anschließenden Barcamp hier.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
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