Tagung Social Media in öffentlichen Institutionen zwischen Anspruch und Realität

Vergangenen Donnerstag und Freitag trafen sich an der Uni Leipzig Forscher sowie Praktiker aus ganz unterschiedlichen Disziplinen zu einer Tagung rund um das Thema „Social Media und öffentliche Institutionen- Nutzung von Facebook, Twitter und Co. für Kommunikation und Partizipation“.

Thomas Pleil (Darmstadt) leitete thematisch in die Tagung ein. Seine Kernthese lautete, dass die Ergänzung um einen vormedialen Raum sowie der soziale Wandel durch Social Media eine neue Ausgangslage für öffentliche Institutionen schaffen. Die daraus resultierenden Effekte beschrieb er anhand von 5 Kernthesen, die hier noch einmal nachzulesen sind.

Anschließend stellte Martin Fuchs (Berlin) unterschiedliche Praxisbeispiele vor, von Maerker Brandenburg bis zum Crowdfunding bei „Leih deiner Stadt Geld“. Wie bei so vielen Vorträgen und Konferenzen zum Thema Social Media fielen in diesem Zusammenhang auch immer wieder die beliebten Schlagwörter „Dialog“ und „Partizipation“. Laut Olaf Hofjann (Salzgitter) hat sich erst in letzter Zeit eine kritische Perspektive dazu in der Forschungswelt entwickelt. In einer Studie zu Verbänden und Parteien stellten er und sein Forschungsteam das Partizipationsversprechen einer Inhaltsanalyse von Facebook-Profilen gegenüber. Auch der Vortrag von Prof. Zerfaß und mir (Leipzig) befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen theoretischen Konzepten und praktischer Umsetzung. Konkret ging es bei uns um neue Konzepte von „öffentlich“ und „Gemeinschaft“ als Ausgangsbedingungen für die Kommunikation öffentlicher Institutionen. Anhand unserer Daten aus den Social Media Governance Studien untersuchten wir, inwiefern öffentliche Institutionen sich strukturell darauf eingestellt haben. Als Handlungsfelder mit besonderem Nachholbedarf identifizierten wir die Bereiche Kompetenzen, Kooperationsmodelle und Guidelines.

Neben diesen kommunikationswissenschaftlichen Beiträgen, kamen auch einige Politikwissenschaftler zu Wort. Im Gedächtnis geblieben sind mir v.a. die Beispiele aus dem Vortrag von Björn Klein (Gießen), die zeigen, dass durch Social Media ganz andere Konzepte von Zeit entstehen. So kann die Information über interne Abstimmungen oder Wahlen auch vor der öffentlichen Bekanntmachung per Twitter nach außen dringen. Anhand der Fallbeispiele von D115 (Sabine Griebsch, Bitterfeld) und der Wiener Charta (Ursula Struppe) zeigten weitere Referenten auch die Vorteile der neuen Medien noch einmal auf. Allerdings wurde auch die Lücke zwischen den theoretisch denkbaren Potenzialen und der tatsächlichen Umsetzung ersichtlich. Die Moderatorin des Panels Astrid Lorenz (Leipzig) fasste dies mit dem Verweis zusammen, dass die Technik auch kein automatischer Heilsbringer sei, sondern die Menschen hinter der Technik beeinflussen wie viel diese zu leisten vermag.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
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