Die Mythen des Maya-Weltuntergangs und der Digitalen Revolution reflektieren

Den angeblich laut Maya-Kalender prophezeiten Weltuntergang haben wir also überstanden und sogar das Jahr 2013 eingeläutet. Grund genug, jenseits der alljährlichen Zukunftsprognosen inne zu halten und noch einmal zu prüfen, welche angeblichen Wahrheiten überhaupt noch Bestand haben.

Für jemanden, der sich beruflich mit Social Media auseinandersetzt, ist das zu allererst die Digitale Evolution – zum Teil sogar als Revolution bezeichnet. Ende 2012 lagen die Anfänge dieses Wandels bereits über 10 Jahre zurück. Wir alle hatten also ausreichend Zeit die neuen Kommunikations- und Kollaborationstechnologien zu erproben, mit ihnen zu experimentieren und uns ein Urteil zu bilden. Mittlerweile sind Social Media zu einem festen Bestandteil unseres Alltags geworden (ARD-ZDF-Online-Studie). Manche prophezeien für die Zukunft aber noch weiter greifende Veränderungen. Worte wie Wandel, Ende oder eben Revolution werden allzu häufig in einem Atemzug mit Social Media verwendet. Ende 2012 argumentiert Albert Wenger in der FAZ, dass der stationäre Einzelhand „zur Disposition“ stehe und weiter „streng hierarchische Organisationen werden durch dynamische Netzwerke ersetzt in der Wirtschaft und in der Politik, nationale Grenzen, das Eigentum und selbst die Mobilität werden neu definiert.“ Ob das als erstrebenswert oder bedrohlich zu bewerten ist, hängt von der jeweiligen Perspektive ab.

Anil Dash beispielsweise trauert dem Web hinterher, das wir durch den Wandel verloren haben, wie z.B. den Fakt, dass „Google hadn’t yet broadly introduced AdWords and AdSense, links weren’t about generating revenue, they were just a tool for expression or editorializing“. Die Schlussfolgerung daraus lautet, dass wir „haven’t shown the web itself the respect and care it deserves”. Das wird besonders deutlich, wenn man betrachtet, mit welchen Zielen Organisationen in Social Media aktiv werden. In der Fachliteratur wird viel von Dialogpotenzial geschrieben und darin die Digitale Evolution gesehen. Die Praxis zeigt jedoch überwiegend einen Fokus auf unidirektionale Informationsverbreitung und Ziele wie „Brand Awareness“ und „Web Traffic“.

Das technische Potenzial für Partizipation und Dialog ist in Social Media gegeben. Diesbezüglich ist der Begriff Digitale Evolution also berechtigt. Davon Gebrauch machen allerdings nur wenige. Es gibt also noch viel Raum nach oben, für neue Meilensteine und Fortschritte im Jahr 2013. Viele Prognosen sehen voraus, dass die neuen Technologien immer größeren Raum einnehmen werden, im Alltag der Menschen, im Wirtschaftleben in der Gesellschaft allgemein. Inwiefern die Politik darauf reagiert und der Wandel zur Online-Informationsgesellschaft abgeschlossen werden kann, dürfte eines der spannesten Themen im neuen Jahr sein. Markus Beckedahl nennt einige Schlagwörter, die es in diesem Kontext zu beobachten gilt: EU-Datenschutzrichtlinie, Netzneutralität oder Leistungsschutzrecht. Vielleicht lösen diese ja bald die Mayas als Suchbegriffe in Google ab.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
Dieser Beitrag wurde unter Social-Media-Grundlagen, Social-Media-Nutzung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s