Prolog 5. Forum Wissenschaftskommunikation #fwk2012: Social Media Governance in der Wissenschaftskommunikation

Am Mittwoch halte ich auf dem 5. Forum Wissenschaftskommunikation einen Vortrag zum Thema Social Media Governance in der Wissenschaftskommunikation. Schon bei den Vorbereitungen ist mir aufgefallen, dass ich mir bis dato noch viel zu wenig Gedanken über dieses Thema gemacht hatte. Andererseits habe ich implizit schon sehr viele Erfahrungen damit gesammelt. Immerhin schreibe ich dieses Blog, tweete mehr oder weniger fleißig von wissenschaftlichen Veranstaltungen und auch in der Lehre setzen wir mittlerweile Diskussionsplattformen und Facebook-Gruppen ein. Darüber hinaus benutze ich Social Media zu Recherchezwecken für meine Forschung  – oft werden Studienergebnisse mittlerweile getweeted oder auf Google+ bekannt gegeben, von Slidehare-Inhalten ganz zu schweigen. Dennoch wird Social Media für die Wissenschaftskommunikation viel weniger systematisch eingesetzt als beispielsweise in der freien Wirtschaft. Was könnte also die Wissenschaft von der Wirtschaft lernen? (Das Thema meines Vortrages auf dem Forum)

 

Aus den Ergebnissen unserer Social Media Governance Studien schlussfolgern wir seit der ersten Durchführung 2010, dass ein reiner Fokus auf einzelne Aktivitäten nicht sonderlich zielführend ist. Stattdessen müssen strategische Entscheidungen getroffen und in die notwendigen Rahmenbedingungen investiert werden. Da auch die Wissenschaftskommunikation ihre Botschaften möglichst effizient und effektiv an Zielgruppen verbreiten möchte, trifft das gleiche auch auf diese Kommunikationsdisziplin zu. Erschwerend kommen allerdings einige Systemspezifika des Wissenschaftsbetriebes hinzu. Ohnehin mit Lehre und Forschung überlastete Wissenschaftler können mehr schlecht als recht eine 24-Stunden-Präsenz auf Facebook oder Twitter realisieren und sofort auf etwaiges Feedback reagieren. Neben den in immer kürzeren Abständen erscheinenden Publikationen auch noch ein weltweites Monitoring zu relevanten Themen und Schlagwörtern zu überwachen, sprengt jeden Rahmen. Zudem werden Erfolge in der Wissenschaft nicht an der Weiterempfehlungsquote oder retweet-Zahlen gemessen, sondern an Publikationen in Fachzeitschriften. Wo liegt dann der Anreiz, sich diese extra-Belastung zuzumuten?

Ein Anreiz könnte in dem Wertschöpfungspotenzial von Social Media liegen, in den Weiterempfehlungen, die große Reichweite ermöglichen, oder in dem Feedback, das vielleicht die lang ersehnte Idee oder neue Anknüpfungspunkte für Kooperationen enthält. Das sind alles nicht vollkommen neue Social-Media-Aspekte, sondern bereits in Open-Innovation-Konzepten (siehe u.a. Chesbrough 2003) enthaltene Vorteile, die sich aus der Öffnung der Organisationsgrenzen ergeben. Social Media liefern dafür aber ein neues, dynamisches, komplexes Umfeld, das einfache Kooperation und Austausch über Ländergrenzen hinweg ermöglicht. Doch auch dies kann nicht voraussetzungsfrei gelingen. Für Social-Media-Kommunikation bedarf es aber dezidierter Regeln und Ressourcen in den Forschungseinrichtungen. Speziell weiter gebildete Mitarbeiter und Verhaltens-Guidelines sind nur zwei Beispiele für Social Media Governance, die sich aus dem Unternehmenskontext auf die Wissenschaft übertragen lassen. Damit einher geht letztlich dann auch die Erkenntnis, dass zielgerichtetes Social-Media-Engagement für die Wissenschaftskommunikation einen nicht unerheblichen Aufwand darstellt, der sich aber lohnt.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
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