Der Einsatz von Social Media in Open-Innovation-Prozessen

Ein Workshop bei buw Leipzig hat mich in der vergangenen Woche darüber nachdenken lassen, wie eng eigentlich meine beiden stärksten Forschungsinteressen Innovationskommunikation und Social Media zusammenhängen. In letzter Zeit habe ich mich mit ersterem zwar kaum noch beschäftigt, durch den Workshop ist mir aber mal wieder aufgefallen, wie viele Gemeinsamkeiten zwischen dem Konzept der Open Innovation und dem Kommunikationswandel durch Social Media existieren. Letzterer lässt sich grundlegend sehr gut in dem Buch Das Informationszeitalter (Teil 1.: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft) von Manuel Castells nachlesen. Dort wird beschrieben wie sich Raum, Zeit und Informationsflüsse in der sogenannten Netzwerkgesellschaft gewandelt haben. In modernen Gesellschaften seien demnach isolierte Akteure kaum konkurrenzfähig, sondern müssen sich über Verbindungen zu  anderen möglichst heterogenen Akteuren in Netzwerkstrukturen Vorteile verschaffen. Ganz entsprechend der Theorie von Open Innovations, die sich ebenso gegen starre Unternehmensgrenzen ausspricht, sagt auch Castells denjenigen mehr Innovationspotential nach, die in der Lage sind externes Wissen und Kapital zu integrieren (vgl. Castells 2004: 76). Inwiefern dies speziell mit Hilfe von Social-Media-Technologien geschehen kann, wird beispielsweise im Social Media Handbuch: Theorien, Methoden, Modelle (Michelis 2010) beschrieben. Besonders die Übertragung grundlegender Mechanismen aus dem ersten Teil des Buches auf konkrete Praxisfälle im zweiten Teil ist hier sehr gut gelungen. So lässt sich auch das Prinzip der Open Innovation in beiderlei Hinsicht wiederfinden. In der Mehrheit der theoretischen Kapitel werden Ansätze reflektiert, die mit dem Konzept der Open Innovation assoziiert werden können. Lesenswert sind diesbezüglich vor allem die Kapitel Die Weisheit der Vielen von Hendrik Send, Crowdsourcing von Bastian Unterberg und The Future Of Ideas von Stefanie Funke. Die Ideen, die dort skizziert werden, liefern umfangreiche Anregungen für Organisationen, die ihre Innovationsprozesse für externe Bezugsgruppen öffnen wollen. Im zweiten Teil des Buches können hierzu noch weitere praktische Anregungen nachgelesen werden. Für den Innovationskontext ist vor allem die Fallstudie 350.org von Daniel Boese  relevant.

Wem das noch nicht genug Anregung ist, findet in dieser interessanten Präsentation von Stefan Lindegaard noch weitere Anwendungsbeispiele für die Verknüpfung von Social Media und offenen Innovationsprozessen:



Wissenschaftlich fundiert wird die thematische Verbindung der beiden Forschungsgegenstände unter anderem im Artikel Social Software für Open Innovation – Die Integration interner und externer Innovatoren“ von Michael Koch, Angelika C Bullinger und  Kathrin M Möslein. Die Autoren beschreiben wie wichtig es für Unternehmen ist, drei zentrale Gruppen von Innovatoren (Kerninnovatoren, periphere Innovatoren und externe Innovatoren) in Innovationsprozesse zu integrieren und welche Möglichkeiten Social Software diesbezüglich liefert. Der zentrale Mehrwert ist dabei eine Strukturierung der möglichen Lösungen […] anhand des Unterstützungsschwerpunkts nach Inhalt, Kommunikation sowie Identität und Netzwerk“.

Von allen Seiten werden also Social Media im Kontext der Innovationskommunikation verortet und umgekehrt – bestimmt lässt sich sogar noch mehr Wissen zwischen den beiden Forschungsrichtungen transferieren und somit Synergien herstellen.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
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