Deutschland – (k)ein Land von Web 2.0 Avantgardisten?

Typologien zur Mediennutzung gibt es bekanntlicher Weise unterschiedliche. Dem steht die Internetforschung in nichts nach. Die Einteilung der Initiative D21 zeichnet sich durch anschauliche Beschreibung der einzelnen Typen und eine breite Datenbasis aus. Dank der netten Bilder wissen wir jetzt auch, wie wir uns kleiden müssen, wenn wir zur Social-Media-Avantgarde gehören möchten (Bildquelle: Initiative D21). Google-Plus und die neue Facebook-Timeline setzen derartige Unterscheidungen in die Web-Realität um: Im Netz sind wir zwar alle gleich, aber mance sind gleicher – George Orwell lässt grüßen.

Aber wie sind die allgemeine Lage in Deutschland aus? Laut der oben zitierten Studie Digitale Gesellschaft der Initiative D21 ist die Mehrheit eher wenig oder selten online.

Das kann doch nicht sein! Als Kommunikationswissenschaftler kommt es einem eher so vor, als gehe kein Weg an den neuen Kommunikationsplattformen vorbei und alle seien ständig online. Brancheninsider predigen gar, dass Social Media zum normalen Alltagswerkzeug der PR gehören. Die Social-Media-Nutzung von Kommunikationsmanagern liegt denn auch deutlich über der der Durchschnittsbevölkerung.

Und doch stellt Netzökonom Holger Schmidt fest, dass Deutschland im Internet nur Mittelmaß und beruft sich dabei auf ganz unterschiedliche namenhafte Studien anlässlich des sechsten IT-Gipfels in München. Auch die PR-Blogger fragen sich ob Deutschland angesichts der neuen Technologien ein „Kollaborations-Schwellenland“ sei. Andere Studien belegen, dass die zentralen Charakteristika von Social Media nicht erkannt und nicht entsprechend genutzt werden, wie beispielsweise der Artikel „Unternehmen hören Usern zu wenig zu“ von Sabine Meinert zeigt.

Ebenso wenig wie sich alle Nutzertypen über einen Kamm scheren lassen, kann also ein Global-Urteil für „die deutsche Social-Media-Nutzung“ gefällt werden. Das ist sicherlich keine neue Erkenntnis, wird aber bei den unzähligen Social-Media-Studien, die zur Zeit in die Öffentlichkeit strömen, meiner Meinung nach nicht ausreichend reflektiert.

Über Anne Linke

Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Schwerpunkt Kommunikationsmanagement/PR und Soziologie an der Universität Leipzig und der Universitat de Valencia, Spanien. Praktika und freie Mitarbeit in den Bereichen Public Relations, Controlling, Strategisches Management und Unternehmenskommunikation. Seit April 2010 Inhaberin des Promotionsstipendiums der Fink & Fuchs Public Relations AG. Promotion zum Kommunikationsmanagement in Zeiten von Social Media. Wissenschaftliche Interessengebiete: Online-PR, Social Media, Kommunikationsmanagement, Innovationskommunikation
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